Stromklau am Arbeitsplatz

Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 02.09.2010 – 16 Sa 260/10 –

Leitsätze:

  1. Selbst wenn die rechtswidrige Verletzungshandlung des Arbeitnehmers nur Sachen von geringem Wert betrifft, ist die Verletzung des Eigentums oder Vermögens des Arbeitgebers als wichtiger Grund zur außerordentlichen Kündigung an sich geeignet
  2. Interessenabwägung zugunsten des Arbeitnehmers.
  3. Im Rahmen der Interessenabwägung ist es zu berücksichtigen, wenn im Betrieb des Arbeitgebers der private Verbrauch von Strom gängig ist, das heißt zahlreiche privat mitgeführte elektronische Gegenstände betrieben werden, wie Kaffeemaschinen, Radios und Mikrowelle und darüber hinaus Handys aufgeladen werden.

Viele Arbeitnehmer laden am Arbeitsplatz ihr Handy auf, stellen einen elektr. Bilderrahmen auf den Schreibtisch oder nutzen einen privaten Ventilator, um sich an heißen Sommertagen abzukühlen. Aber ist das überhaupt erlaubt?

Gemäß § 248c StGB liegt eine strafbare Entziehung elektrischer Energie vor, wenn der Arbeitnehmer ohne Einverständis des Arbeitgebers dessen Stromnetz anzapft. Entziehung elektrischer Energie ist eine Straftat, die allerdings nicht immer eine fristlose Kündigung zur Folge haben muss.

In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um eine Bagatelle, die mit einer Abmahnung als milderes Mittel geahndet werden kann. So entschied jedenfalls das Landgericht Hamm in dem o.g. Fall aus dem Jahr 2010.